{"id":1839,"date":"2012-04-06T23:35:49","date_gmt":"2012-04-06T23:35:49","guid":{"rendered":""},"modified":"2012-04-06T23:35:49","modified_gmt":"2012-04-06T23:35:49","slug":"christlicher-abgeordneter-fur-eu-beitritt-der-turkei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ado-world.com\/en\/christlicher-abgeordneter-fur-eu-beitritt-der-turkei\/","title":{"rendered":"Christlicher Abgeordneter f\u00fcr EU-Beitritt der T\u00fcrkei"},"content":{"rendered":"<div><span class=\"shdl\">Christlicher Abgeordneter f&uuml;r EU-Beitritt der T&uuml;rkei<\/span><\/p>\n<p><i>Erol  Dora hielt sich auf Einladung der &ouml;sterreichischen Sektion der  &bdquo;Assyrischen Demokratischen Organisation&ldquo; in Wien auf &ndash; Gro&szlig;e Hoffnungen  auf die neue Verfassung &ndash; T&uuml;rkei braucht Meinungsfreiheit ohne  Einschr&auml;nkungen und volle Religionsfreiheit, Rechte der Minderheiten  m&uuml;ssen anerkannt werden<\/i><\/p>\n<p>Wien, 02.04.12 (poi) &bdquo;Wir sind f&uuml;r den EU-Beitritt der T&uuml;rkei, weil wir  uns zu einem Wertesystem bekennen, das auf Freiheit, Demokratie und  Respektierung der Menschenrechte beruht. Alle Kriterien f&uuml;r einen  Beitritt m&uuml;ssen von der T&uuml;rkei voll erf&uuml;llt werden&ldquo;: Dies betonte Erol  Dora, der als erster assyrischer Christ dem t&uuml;rkischen Parlament  angeh&ouml;rt, bei einem Wien-Besuch vor Journalisten. Mit dem 48-j&auml;hrigen  Rechtsanwalt ist zum ersten Mal seit der Menderes-Zeit in den f&uuml;nfziger  Jahren wieder ein Christ Mitglied der Nationalversammlung in Ankara.  Dora hielt sich auf Einladung der &ouml;sterreichischen Sektion der  weltweiten &bdquo;Assyrischen Demokratischen Organisation&ldquo; (ADO) in Wien auf,  wo er einen Vortrag &uuml;ber die &bdquo;Menschenrechte von Minderheiten in der  T&uuml;rkei&ldquo; hielt und mit &ouml;sterreichischen Parlamentariern sowie &bdquo;Pro  Oriente&ldquo;-Pr&auml;sident Hans Marte zusammentraf. Er geh&ouml;rt der BDP-Fraktion  an (Bar&amp;#305;&amp;#351; ve Demokrasi Partisi\/Partiya Asti u  Demokrasiye, Partei des Friedens und der Demokratie), seine Wahl im Juni  des Vorjahrs wurde vor allem auch durch kurdische Stimmen erm&ouml;glicht.  Das Kurdenproblem k&ouml;nne nicht durch Gewalt gel&ouml;st werden, betonte Dora,  sondern nur Dialog und Verhandlungen: &bdquo;Ich m&ouml;chte nicht, dass irgendeine  Mutter in der T&uuml;rkei weinen muss, weil ihr Sohn bei bewaffneten  Auseinandersetzungen get&ouml;tet wurde&ldquo;. <\/p>\n<p>Der vielsprachige Abgeordnete (aram&auml;isch, armenisch, t&uuml;rkisch, kurdisch)  betonte die nach wie vor gegebene multiethnische und multireligi&ouml;se  Struktur der T&uuml;rkei. Die Pr&auml;senz der Minderheiten m&uuml;sse anerkannt  werden, er trete f&uuml;r Meinungsfreiheit ohne Einschr&auml;nkungen ein, f&uuml;r  volle Religionsfreiheit und f&uuml;r das Recht der Angeh&ouml;rigen der  Minderheiten auf den &ouml;ffentlichen Gebrauch ihrer Sprache, insbesondere  auch in der Schule. Von gro&szlig;er Bedeutung sei auch die Unabh&auml;ngigkeit der  Justiz. Gro&szlig;e Hoffnungen setzt Erol Dura auf die derzeit in Gang  befindliche Erarbeitung der neuen t&uuml;rkischen Verfassung. Diese &bdquo;zivile&ldquo;  Verfassung m&uuml;sse sich an den Menschenrechten orientieren und an die  Stelle der nationalistischen Engf&uuml;hrung den Verfassungspatriotismus  setzen. Es sei ein positives Zeichen, dass im Verfassungsausschuss je  drei Abgeordnete der vier Parlamentsparteien sitzen und dass die  Minderheiten und die Vertreter der Zivilgesellschaft geh&ouml;rt werden.  Derzeit sei in der T&uuml;rkei ein umfassender Ver&auml;nderungsprozess im Gang,  aber es bleibe noch viel zu tun. <\/p>\n<p>Im Bereich der Religionsfreiheit pl&auml;dierte der Abgeordnete u.a. f&uuml;r die  Abschaffung des verpflichtenden islamisch-sunnitischen  Religionsunterrichts, an dem auch Sch&uuml;ler anderer Konfession teilnehmen  m&uuml;ssen, der enteignete Grund- und Immobilienbesitz christlicher frommer  Stiftungen (&bdquo;vakiflar&ldquo;) m&uuml;sse zur&uuml;ckgegeben werden. Bei der R&uuml;ckgabe  gebe es nach wie vor &bdquo;Probleme in der Verwaltung&ldquo;. Die Wurzel der  Auseinandersetzungen um das weltweit bekannte syrisch-orthodoxe Kloster  Mar Gabriel sei das Fehlen eines verl&auml;sslichen Grundkatasters. Dora wies  auch auf die Probleme der Aleviten hin, deren sakrale Versammlungsr&auml;ume  (&bdquo;cem&ldquo;) von den t&uuml;rkischen Beh&ouml;rden nicht als Gottesh&auml;user anerkannt  werden. Auch die Ungleichbehandlung der Konfessionen durch den Staat  (die islamisch-sunnitischen Geistlichen werden vom Staat bezahlt) m&uuml;sse  aufh&ouml;ren; das &bdquo;Diyanet&ldquo; (derzeit eine staatliche Oberbeh&ouml;rde f&uuml;r die  Belange des islamisch-sunnitischen Kultus im ganzen Land) sollte in ein  Kultusamt umgewandelt werden, das sich um die Gestaltung der Beziehungen  zwischen Staat und Konfessionen annimmt. <\/p>\n<p>Im Hinblick auf die umstrittenen t&uuml;rkischen Schulb&uuml;cher f&uuml;r den  Geschichtsunterricht an den Gymnasien (&bdquo;lisesi&ldquo;), in denen die  christlichen Minderheiten herabgew&uuml;rdigt werden, habe er im Dezember  eine vielbeachtete Pressekonferenz im Parlament in Ankara gegeben, sagte  Dora. Der Unterrichtsminister &ndash; der sich darauf berief, dass die B&uuml;cher  &bdquo;vor seiner Zeit&ldquo; genehmigt wurden &ndash; habe zugesagt, dass die Texte bis  zum Beginn des Schuljahres 2012\/13 gr&uuml;ndlich revidiert werden. <\/p>\n<p>In seinem Vortrag erinnerte Erol Dora an die &iacute;m Westen vergessene gro&szlig;e  Geschichte und die herausragenden kulturellen Leistungen der  christlichen &bdquo;Assyrer&ldquo;. Sie seien das erste Volk gewesen, das &ndash;  ausgehend vom F&uuml;rstentum Edessa\/Urfa &#8211; als ganzes das Christentum  angenommen habe. Heute sei das Volk in seinen unterschiedlichen  Konfessionen &ndash; syrisch-orthodoxe Kirche, syrisch-katholische Kirche,  chald&auml;isch-katholische Kirche, Apostolische Kirche des Ostens &#8211; auf  verschiedene Staaten &ndash; T&uuml;rkei, Syrien, Irak, Iran &ndash; verstreut. Aus dem  Irak seien mittlerweile hunderttausende Christen geflohen, auch in  Syrien bestehe f&uuml;r die Minderheiten &bdquo;Lebensgefahr&ldquo;. Seit 50 Jahren gebe  es in Europa eine gro&szlig;e &bdquo;assyrische&ldquo; Emigration, aber jeder Mensch habe  das Recht, in seiner urspr&uuml;nglichen Heimat zu leben. <\/p>\n<p>Der Vorsitzende der &ouml;sterreichischen ADO-Sektion, der Brigittenauer  Bezirksrat Aslan Ergen, erinnerte daran, dass die im Vorjahr  versprochene R&uuml;ckgabe des 1936 beschlagnahmten Grund- und  Immobilienbesitzes christlicher frommer Stiftungen nur sehr schleppend  vor sich geht. Au&szlig;erdem m&uuml;sse man bedenken, dass in den Jahren 1914 bis  1924 bei der Ermordung und Vertreibung gro&szlig;er christlicher  Bev&ouml;lkerungsgruppen (Armenier, Assyrer, Pontus- und &Auml;g&auml;isgriechen)  ungeheure Besitzt&uuml;mer enteignet worden seien, auch dar&uuml;ber m&uuml;sse geredet  werden. Noch von den sechziger bis zu den achtziger Jahren sei im Zug  der Auseinandersetzung zwischen dem Milit&auml;rregime und den Kurden  massiver Druck auf die syrischen Christen (&bdquo;Assyrer&ldquo;) im Tur Abdin  ausge&uuml;bt worden, die als Christen nicht ins Konzept gepasst h&auml;tten. Die  fr&uuml;her 200.000 Personen umfassende Volksgruppe sei heute dramatisch  reduziert. <\/p>\n<p>Von t&uuml;rkischer Seite werde f&uuml;r die Kinder der Emigranten in  verschiedenen europ&auml;ischen L&auml;ndern das Recht auf t&uuml;rkischen  Schulunterricht verlangt, was er durchaus unterst&uuml;tze, betonte Ergen.  Aber dann m&uuml;sse auch in der T&uuml;rkei f&uuml;r die Kinder der Angeh&ouml;rigen der  Minderheiten die M&ouml;glichkeit zum muttersprachlichen Unterricht bestehen.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christlicher Abgeordneter f&uuml;r EU-Beitritt der T&uuml;rkei Erol Dora hielt sich auf Einladung der &ouml;sterreichischen Sektion der &bdquo;Assyrischen Demokratischen Organisation&ldquo; in Wien auf &ndash; Gro&szlig;e Hoffnungen auf die neue Verfassung &ndash; T&uuml;rkei braucht Meinungsfreiheit ohne Einschr&auml;nkungen und volle Religionsfreiheit, Rechte der Minderheiten m&uuml;ssen anerkannt werden Wien, 02.04.12 (poi) &bdquo;Wir sind f&uuml;r den EU-Beitritt der T&uuml;rkei, weil &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-1839","post","type-post","status-publish","format-standard","","category-assyrian-news"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ado-world.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1839","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ado-world.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ado-world.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ado-world.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ado-world.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1839"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ado-world.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1839\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ado-world.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ado-world.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ado-world.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}